Familien mit Namen Labinski / Labinsky im Kirchspiel Trempen, Grieben, Kreis Angerapp

Im heimatbrief Angerapp 2009 veröffentlicht


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Durch einen Zufall fiel mir 2006 die Heiratsurkunde von meinem Opa Ernst Labinsky in die Hände. Dort stand: Ernst Labinsky, geb. in Warnascheln ( Warnheide) 1886, heiratet 1914 Käthe Balschunat in Königsberg, Vater Karl Labinsky, Mutter geb. Burblies, wohnhaft in Grieben, Kreis Dahrkehmen. Grieben ? Dahrkehmen ? Schlagartig wurde mir klar, wie wenig ich doch über die Heimat meiner Vorfahren wusste. Also auf ins web. Und nach einiger Zeit traf ich auch auf die Kreis-Gemeinschaft Angerapp und die angebotene Reise mit Frau Mai. Kurz entschlossen habe ich gebucht und es nicht bereut. Ich möchte hier keine Reisebeschreibung abgeben, aber, was hat mich am meisten beeindruckt? Es war diese wunderbare, oft aber gnadenlos menschenleere Landschaft. Und zu erfahren, wie in den Mitfahrern die Heimat noch lebendig ist. Das Exemplar des Heimatbriefs, das Frau Mai mir freundlicherweise im Bus überlassen hatte, erwies sich als wahre Fundgrube für meine Weiterarbeit. Über die Adressen konnte ich Personen anschreiben, die aus Grieben oder der näheren Umgebung kamen. Eine Welle von Hilfsbereitschaft schlug mir entgegen. An dieser Stelle herzlichen Dank an alle die sich gemeldet haben / / 1/. Durch diese Kontakte habe ich u.a. erfahren, dass es in Grieben eine Kolonial- und Materialwaren - Handlung „Labinski “ gab / 2/ und eine Schmiede.
  
Doch nun zu den Familien Labinski – Labinsky :

Heinrich und Richard Labinski    von Anna Labinski
Besitzer der Kolonial- und Warenhandlung in Grieben

Heinrich Labinski *1860 Kunschicken / Gudwallen, + 1932 Grieben.
Seine Kinder :
1 Hans *1891 in Angerapp, 2 Maria * 1893 , 3 Ernst * 1896,
4 mein Vater Richard *1896, verheiratet mit Helene geb. Esch
5 Rudolf * 1904, alle in Grieben geboren.
Die Kinder von 1 Hans :
11 Gerda * 1923, 12 Dietrich *1924 + 1.7.2008 Dollbergen/ Gemeinde Uetze / 3/,
13 Hans-Georg * 1932, 14 Werner * 1922, alle geboren in Maiden.
Ich bin das einzige noch lebende Kind von Richard,
Anna * 1935 in Insterburg. ( meine Schwester Margarethe starb im ersten Lebensjahr. )

Von meinem Opa Heinrich weiß ich leider nichts mehr.
Meine Tante Maria ist nach Heinrichswalde, in der Nähe von Tilsit gezogen.
Ihr Mann Fritz Schinz war dort in der Schule Konrektor .

Mein Vater Richard hatte in einem Feinkostgeschäft in Königsberg Kaufmann gelernt.
In unserem Geschäft gab es alles von A – Z. So z.B. feine Zigarren und feine Spirituosen, geliefert von Feinkost Schweikart aus Tübingen.
Da mein Vater eine Jagd hatte, lud er auch immer seine Lieferanten mit zu uns ein.
Diese guten Kontakte sollten uns nach unserer Flucht 1945 in den Westen eine gute Hilfe sein.
Meine Grundschulzeit verbrachte ich in Grieben bei Lehrer Lothar Schill und Gudrun Schill,
sowie Lehrer Beberni.
Gut erinnern kann ich mich noch an meine Freundinnen Edith Grutschus und Dora Wowries.

anna

Anna bei Ihrer Konfirmation mit Ihren Eltern

anna
 

meine Freundin Edith Grutschus mit ihrem
Bruder Hans und Mutter Minna G

annaHaus

Bild 1, oben, zeigt unser Haus , mit dem Schriftzug Richard Labinski, ganz links der großer Saal, wo z.B. bei der Jagd gegessen wurde, aber auch mal ein Kinofilm gezeigt wurde. Unter dem Schriftzug in der Mitte, unten der Laden. Darüber waren Zimmer in denen Gäste untergebracht werden konnten. Rechts davon war unsere Wohnung. In dem Gebäude mit dem Wagen davor, war ganz rechts das Lager untergebracht, dann kam der Pferdestall.

annaHaus

Auf dem zweiten Bild sieht man vom Innenhof auf die Rückseite des Hauses. Der oben rechts zu sehende Baumwipfel hinter dem Schuppen war der Baum an der Straße nach Menken wo auch das Haus der Familie Grutschus stand.

Unsere Flucht 0ktober 1944
Wir flüchteten wie so viele mit einem Pferdewagen, bis kurz vor Elbing. / 4 /
( mein Vater hoffte noch mit einem Schiff nach Amerika auszuwandern ! )
Wir blieben dort bis Jan. 1945. Dann kam der strenge Winter. Mein Vater beschließt daher, dass die Familie per Zug weiterfährt, er bleibt bei seinem Wagen. Auf dem Bahnhof begegnen wir nochmals der Familie Grudschus. Gott sei Dank treffen wir uns alle wieder in Kessin bei Rostock.
Nach dem Krieg erhält mein Vater durch seine ehemaligen Geschäfts-Beziehungen eine Anstellung in Tübingen.


Ferdinand Labinsky Knecht und Gärtner, 1883 wohnhaft in Grieben       von Gertraude Labinsky


Ferdinand Labinsky / 5 / * 1857 Kl. Skirlack + 1938 Stolpe, Schw.-Holstein, heiratet 1883 Auguste Marie Anna Driest.
Trauzeuge ist der Gärtner Friedrich Labinsky * 1843 aus Gudellen / Kl. Skirlack.

Weiter wird in der Heiratsurkunde erwähnt: Vater Carl Labinsky, Hirte * ca.1820 , + im Lazarett Dahrkehmen und dessen Ehefrau Henr. geb. Conrad, + in Gudwallen./5.1/
Der Sohn von Ferdinand, August Labinsky, Eisenbahner * 1885 in Trempen, heiratet 1912 schon in der neuen Heimat Ascheberg, Kreis Plön.
Die Tochter Auguste Dorothea * Jan. 1893 wird in Westernholz/ Husum geboren. Von seinen weiteren Kindern ist nichts mehr bekannt.
Bei Recherchen im EZA Berlin wurde im Geburtenbuch Dahrkehmen u.a. gefunden:
Labinski, Carl, Losmann verheiratet mit Henriette Conrad.
Kinder: August *1844, Dorothea *1846, Friedrich *1847, Juliane *1850, Carl *1852 in Kleinkamanten.
Hier könnte es sich um das oben genannte Ehepaar Carl Labinsky und Henr. geb. Conrad handeln.
Es fehlt der Sohn Ferdinand: er wurde dann in Skirlack, Ksp. Trempen geboren.



Karl Labinsky, Arbeiter und Gärtner, 1914 wohnhaft in Grieben / 6 /      von Michael Labinsky


Karl Labinsky * 1840/ 50 ? in der Nähe der Rominter Heide (mündliche Überlieferung)
und seine Ehefrau Amalie, geb. Burblis wohnen laut Heiratsurkunde ihres Sohnes Ernst Labinsky 1914 in Grieben.

ernst

Sein Sohn Ernst, mein Opa,
* 1886 in Warnheide, erlernt das Schmiede- handwerk; vielleicht in der Schmiede in Grieben?. Sein Vater Karl muss also um 1886 im Kirchspiel Trempen gelebt haben.
Ernst zieht es nach Königsberg. Er heiratet dort 1914 Käthe Balschunat. Als der Krieg beginnt, fällt er bereits in den ersten Kriegsmonaten an der deutsch -russischen Front.


Bekannt ist, dass Ernst weitere Geschwister gehabt hat, angeblich 5. Ein Bruder und seine Schwester Anna Labinsky sind nach Amerika ausgewandert.
( Anna ist 1912 auf einer Passagierliste der President Lincoln genannt, als Adresse ist angegeben: Vater Carl Labinski ( ! ) Grieben, nahe Trempen .

anna
 

Anna Labinsky



Lebten die Familien Labinsky und Labinski nebeneinander oder kann man von Verwandtschaften ausgehen ?


Diese Frage ist schwer zu beantworten. Fest steht, dass es von den Beamten mit der Schreibweise –ski und –sky nicht so genau genommen wurde.( siehe Beispiel Heiratsurkunde / 5 / ).
Eine Verwandtschaft zwischen den Familien Heinrich Labinski und Karl Labinsky konnte definitiv ausgeschlossen werden.
Ob bei der Familie Ferdinand Labinsky verwandtschaftliche Verhältnisse zu den beiden anderen Familien vorliegen, konnte nicht geklärt werden.
Aufgrund der Bevölkerungsstruktur in diesem Gebiet ist es aber möglich, dass hier sowohl polnische Einwanderer Labinski als auch russisch / litauische Einwanderer Labinsky / Burblies lebten.
Durch Recherchen in den Archiven in Berlin und Leipzig, durch Briefkontakte und durch das web konnte ich über 56 Familien-Namen Labinski – Labinsky für den Raum Kreis Angerapp und Insterburg zusammentragen / 7 /. Es ist mir nicht gelungen, verwandtschaftliche Verbindungen unter den Familien herzustellen.
Auch wenn es mir nicht möglich war, etwas mehr über meine Familie zu erfahren, so habe ich doch viel über die Geschichte, dessen Teil sie waren, ihr Land, indem sie gelebt haben und die Menschen, mit denen sie zusammen gelebt haben, erfahren.
Allen die mir dabei geholfen haben, nochmals vielen herzlichen Dank.

/ 1/ Besonders bedanken möchte ich bei den Herren Alexnat, Grutschus, Toffeleit, Spiwoks, Prof. Sallmon, Schlusnus, Bruno und Werner Wessalowski für Ihre Hinweise. Außerdem Anna und Hans Jürgen Labinski und Frau Gertraude Labinsky für die gute Zusammenarbeit
/ 2/ siehe dazu auch Artikel im Heimatbrief 1991 und 1995
/ 3/ noch in der Namensliste im Heimatbrief 2007 genannt.
/ 4/ mein Vater musste nicht zum Volkssturm, er war kurz vorher operiert worden.
/ 5/ in der Heiratsurkunde wird der Name bei - erschienen - als Labinsk y, und bei - vorgelesen und unterschrieben - als Labinsk i geschrieben.
/5.1 / im Archiv Leipzig , KB B2115, gefunden: Carl Labinski, Hirt und Witwer in Neu-Gud?(wallen), 44J, oo 1864 Charlotte Battchen aus Menturen, 37 J. Dieser Carl ist wahrscheinlich der Vater von Ferdinand.
/ 6/ wahrscheinlich ist hier ein Kätner gemeint.
Die Kätner besaßen lediglich ein kleines Stück Ackerland oder nur einen Garten.
Sie leisteten Handdienste auf den Gütern als Entgelt für ihre geringfügige Landnutzung, oder sie arbeiteten beim Bauer. Sie lebten in den dort angesiedelten Insten, waren aber auch Handwerker.
Zur Veränderung und Verarmung der ländlichen Gesellschaft und Zunahme der Besitzlosen um 1800 :
- Moderne preussische Geschichte, 1648- 1947, Otto Büsch,
- Georg Friedrich Knapp: Die Bauernbefreiung und der Ursprung der Landarbeiter in den älteren Teilen Preußens T1./ Wikipedia, und
- Gutsherrlich-bäuerliche Verhältnisse in Ostpreußen nach den Akten der Gutsarchive zu Angerapp, Dr. Karl Böhme.( im web zu finden )
/ 7/ eine CD dazu hat das Archiv des Heimatbriefes erhalten.


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